Die erste Fraunhofer Revolutionswerkstatt 2026
Demokratie statt Monarchie, Frauenwahlrecht, der Acht-Stunden-Arbeitstag, politische Mitbestimmung und stärkere Rechte für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Viele Errungenschaften, die unsere Gesellschaft heute prägen, haben ihren Ausgangspunkt in der Revolution vom 7. und 8. November 1918 in München.
Zum 100. Jahrestag wurde die Revolution vielerorts gefeiert und gewürdigt. Doch warum sollte ein Ereignis von solcher Bedeutung nur alle hundert Jahre ins öffentliche Bewusstsein rücken? Wir vom Fraunhofertheater finden: Gerade heute lohnt es sich, die Revolution von 1918 neu zu betrachten.
Mit der ersten Fraunhofer Revolutionswerkstatt lädt das Fraunhofer vom 7. bis 15. November 2026 dazu ein, Geschichte neu zu entdecken, ihre Bedeutung für die Gegenwart zu beleuchten und gemeinsam darüber nachzudenken, was Demokratie und politische Mitbestimmung heute bedeuten.
Neun Tage lang wird das Fraunhofer in der Isarvorstadt zum Ort für künstlerische, historische und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Im Theater im Fraunhofer, im Werkstattkino und in der Kulisse treffen Theater, Literatur, Musik, Dokumentarfilm, Ausstellung, Stadtführungen und offene Formate– wie zum Beispiel eine revolutionäreVolksmusik.Session – aufeinander. Die Revolutionswerkstatt möchte dabei nicht nur zurückblicken, sondern Geschichte aus den Archiven und Büchern wieder dorthin bringen, wo sie stattgefunden hat: in die Straßen und Plätze Münchens.
Geschichte wird zur Gegenwart
Das Fraunhofer Wirtshaus und Theater steht für bayerische Lebensart, gelebte Geschichte und gesellschaftliche Auseinandersetzung. In den historischen Räumen wurde und wird bei Bier diskutiert, gestritten, gelacht und gedacht. An diese Tradition knüpft die Revolutionswerkstatt an.
Zu den Programmpunkten gehört eine Lesung der Autorin und Trägerin der Kurt-Eisner-Medaille Cornelia Naumann, musikalisch begleitet von Michaela Dietl. Das Sendlinger Revolutionsensemble nimmt eigens für die Revolutionswerkstatt sein Stück Sich fügen heißt Lügen. Revolutionäre Lieder wieder auf.
Das Kollektiv Herzfeld zeigt seine dokumentarischen Theaterstücke Dreieinhalb Wochen im Münchner Frühling und Diese Revolution hat kein Lied. Letzteres wird musikalisch von Mathias Götz‘ „Le Millipede solo“ angemalt.
Anarchist und Pazifist – ein Abend widmet sich Oskar Maria Graf. Bereits am Nachmittag führt die thematische Stadtführung Ich dichtete und lief in der Revolution herum… auf seine Spuren durch München.
Den Abschluss bildet der Abend „Ins Offene“ mit Evi Keglmaier und Thomas Kretschmer. Literatur und Musik verbinden sich mit einem Impuls, der die während der Revolutionswerkstatt entstandenen Gedanken in den Alltag weitertragen soll. Im besten Fall entsteht dabei das Gefühl: Mit den Herausforderungen unserer Zeit sind wir nicht allein.
Revolution im Werkstattkino
Auch das Werkstattkino, das sich im selben Gebäude wie das Fraunhofertheater befindet, wird zum Schauplatz der Revolutionswerkstatt. In der ehemaligen Kegelbahn befindet sich eines der traditionsreichsten Underground- und Independent-Kinos Deutschlands.
Gezeigt werden unter anderem Uli Bez’ Dokumentation Es geht durch die Welt ein Geflüster und Klaus Stanjeks Rote Räte.
Mit Revolution.Loops steht außerdem eine Uraufführung auf dem Programm: Andreas Stäbler alias G.Rag und Ferdinand Kraemer (Black Patti, A bunch of birds) vertonen live Stummfilmsequenzen aus den Jahren 1918/19 und schaffen damit eine neue künstlerische Perspektive auf die Revolutionszeit.
Für junge Menschen: Geschichte selbst entdecken
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung an die nächste Generation. An drei Vormittagen richtet sich die Revolutionswerkstatt mit eigenen Veranstaltungen an Schülerinnen und Schüler. Geschichte soll dabei nicht nur vermittelt, sondern erlebbar und diskutierbar werden – mit Raum für Fragen, eigene Perspektiven und die Auseinandersetzung mit der Frage, was Demokratie eigentlich bedeutet.
Denn die Revolution von 1918 ist nicht nur Vergangenheit. Ihre Themen – politische Beteiligung, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und demokratische Mitbestimmung – sind auch mehr als hundert Jahre später aktuell.
Die Fraunhofer Revolutionswerkstatt 2026 möchte deshalb erinnern, aber nicht beim Erinnern stehen bleiben: Sie will Geschichte zum Ausgangspunkt für Gespräche über die Gegenwart und die Zukunft unserer Demokratie machen.
Fraunhofer Revolutionswerkstatt 2026
7. bis 15. November 2026
Theater im Fraunhofer, Werkstattkino und Kulisse
Neun Tage Geschichte, Literatur, Musik, Film, Theater, Stadtführungen und Begegnungen – und die Einladung, die Revolution von 1918 neu zu entdecken.
Mit herzlichen Grüßen
Martin Jonas & Reinhard Pabst
