Tag 5 in Amerika
Jeder weiß, dass der Amerikaner, den Gerüchten, Kaffee hätte entwässernde Wirkung, mit der Aufnahme ungeheurer Mengen Wasser, dass seine Farbe von einer nach Wildwestart durchgeschossenen Kaffeebohne hat, entgegenzusteuern sucht.
Hier nun der Beweis: Kaffee wird gar nicht frisch gebrüht. In staatlich kontrollierten Betrieben sind die besten Schützen des Landes damit beschäftigt, aus riesigen Stauseen abgezapftes Wasser mit einzelnen Bohnen zu durchschießen, um das Erzeugnis dann, meistens nachts, in Tanklastwägen durchs ganze Land zu fahren und auf Kaffeekannen zu verteilen, die wiederum ihrerseits durch Dauererwärmung für den individuellen Geschmack sorgen. 
Wir bekommen zu unserem Kaffee ein ausgezeichnetes Ei und Tacos und Würstel von Delaney darselbst zubereitet. Er ist extra mit uns um 8 aus dem Bett gesprungen, um uns vor unserem Trip nach Tucson persönlich zu verabschieden. Auch Norma (hier vor dem Haus ihrer Eltern mit Delaney) hat sich extra früh den Wecker gestellt, um auf Wiedersehen und eine gute Reise zu wünschen. Es kostet uns ca. eineinhalb Stunden bis wir bei Palm Springs den Windpark passieren, der jeden deutschen Versuch, Windräder in größeren Mengen aufzustellen, in seine eigenen Kinderschuhe zurückschickt und gleichzeitig mehr oder weniger die Grenze des Großraumes Los Angeles bezeichnet. Dazu sei aber gesagt, dass Normas Haus, in dem wir die Nacht verbringen durften, bereits ca. 45 Minuten außerhalb Downtown LA liegt. Vor uns die Wüste, nochmal ca. 7 Stunden. Deshalb erst mal zweites Frühstück bei Denny's, eine der größten Ketten für Frühstückszubehör an Amerikas Straßenrändern. Waffle House oder I-HOP (hat nichts mit Apple zu tun) – International House of Pancakes sind andere bekannte Vergnügungstempel für Fette und Öle. Man kann erkennen, das die Hermanos, die schließlich alle Tips von daheim ausprobieren müssen, weniger gegen die Hitze als gegen die Fettleibigkeit zu kämpfen haben. Hier wurde versucht, an der gleichen Stelle wie auf der Hinfahrt nach LA, eine Wüstenimpression einzufangen. Obwohl es überhaupt nicht die auch nur ein bisschen ähnliche Stelle ist, erscheint der Versuch perfekt gelungen. Wir sind ein wenig zu früh am Ziel. Tucson liegt unweit der mexikanischen Grenze und ist Heim von Bob Log III. und Calexico. Beide sind nicht da, so dass wir am Straßenrand einkehren und hervorragendes mexikanisches Burrito-/Tacito- und was-es-da-sonst-noch-so-alles-gibt-vielerlei versuchen und für ausgezeichnet befinden.  Schließlich: The Hangard. Eine Wellblechhütte in Flugzeughangarform, gesteckt voll mit musikalischem Equipment, begrüßt uns verlassen. Ein Pitbull zerfleischt uns beinahe beim Eintreten, wir kommen aber mit einem blauen Auge davon. Vier Bands sind angesagt, es ist warm genug um draußen zu spielen. Ben, unser Gastgeber spielt mit seinem Kollegen (Schlagzeug + Gitarre), danach ein Pärchen aus Florida. 'MadHappy' , Computermusik, zweistimmiger Gesang. Sie gehen allerdings nur gerade so als zweiköpfige Band durch, denn Sie schaukelt während des Konzerts singend ihr 10 ½ Wochen altes Baby auf dem Arm. Danach rocken wir die wenigen Gäste, allerdings so hart, dass die Polizei dem Ereignis ein Ende macht und wartet bis alle, auch wir, den Ort des Geschehens verlassen haben. So kommen wir um den Genuss der vierten Two Man Band, dessen Gitarrist uns allerdings das leere Haus seines Vaters für die Nacht überlässt. Nach einigen Diskussionen, diesmal über Polizei, Staatsmacht und 'fucking crazy cool museums you should have seen!' fallen wir erschöpft und immer noch schwitzend ins Bett. >>nächster Tag>> Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5 | Tag 6 | Tag 7 | Tag 8 | Tag 9 | Tag 10 | Tag 11 | Tag 12 | Tag 13
|