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Spex: Dos Hermanos - Goldfischen

Zu den kleinen Biotopen bewundernswerten Eigensinns zählt das Münchner Gutfeeling-Miniversum, wo sich vor allem G.Rag y Los Hermanos Patchekos als äußerst unterhaltsam-charmantes Musik-Recycling-Unternehmen zwischen US-Americana, bayerischer Blasmusik, Calypso-Swing, babylonischer Stilverwirrung und leidenschaftlicher Heldenverehrung hervorgetan haben. G.Rag minus Bigband, nur Gitarre und diverses Schlagwerk, dazu ein Sound wie einen groflen Blecheimer übergestülpt - und schon sind die prinzipiellen Koordinaten der Dos Hermanos abgesteckt. Einfache Wahrheiten über das Gut und Böse dieser Welt, auf maximale Wirkung bedacht.
Fehlen darf da natürlich der "Rambling Man" genauso wenig wie Bob Dylan oder die Violent Femmes. Nicht immer und unbedingt sofort erkennbar in all dem freundlichen Geschepper und Geschrammel, aber auf "Goldfischen" geht es nicht um werkgetreue Wiedergabe, sondern im erweiterten Sinn um Treue an sich, Treue gegenüber den eigenen (musikalischen) Idealen, der eigenen Sichtweise auf die Dinge. Mögen es neunzig Prozent der Leute wahlweise bescheuert, daneben oder unmöglich finden - was zählt, ist: aufrecht bleiben. Spur halten. Spaß haben. Mit den restlichen zehn Prozent ein gutes Bier trinken. Und weiter nach Gold fischen.

Andreas Schiegel

Spex 05/2004