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Oder, äh ... Da rutscht die Hose auf den Kopf: G.Rag y los Hermanos Patchekos bringen Spaß ins Stüberl Eine gute tunesische Nacht im Stüberl. Es riecht nach Pfannkuchen, aus der Juke-Box trieft Autoscooter-Mambo, Fredl Fesl und der Flohwalzer, und von der Bar tönt in kurzen Abständen brüllendes Gelächter. Hank Williams und Dizzy Gillespie haben sich grade erst kennengelernt und natürlich viel zu erzählen. Claudia Cardinale tänzelt leicht angeduselt herum. Fünf Tequila und eine Goaßn-Maß waren wohl zuviel, weshalb sie sich auf dem Knie von Oskar Maria Graf niederläßt: »Mehr Erotik!« ruft der. Doch Juliette Greco bittet um Ruhe, sie will jetzt endlich die Todesmelodie aus »Rio Bravo« hören. Weil im Stüberl so wenig Platz ist, ist die Bühne vorläufig über den Tresen hingeschreinert und mit zwei Trinidad-Stahltrommeln abgestützt. Sie droht jeden Moment herabzubrechen. Und wenn die Juke-Box nichts mehr her gibt, spielen Andi und Jörg Saiten- und Hauinstrumente. Sie tun dies nicht sehr detailversessen, eher herzhaft. Der Gesang kommt manchmal über ein Megaphon. Wenn sie sich vom Tijuana-Flipper losreißen können, steigen noch ein paar Gestalten mit Akkordeon, Kontrabaß oder Congas ein. Hank und Dizzy beginnen über die Stücke zu fachsimpeln: »Ist das von mir oder von dir?« »Schmarrn, das ist Mexikanisch oder Französisch oder... äh....« Die Unterhaltung wird schwierig. Nicoletta hat endlich ihr Bariton-Sax ausgepackt. Claudia will »was Lustiges« hören, Juliette verzieht das Gesicht und sich selbst aufs Klo. Leider wird ihr der Weg versperrt von den Schirmherrinnen des Abends. Maria Teresa Vera trägt eine Lederbundhose als Kopfbedeckung und Bally Prell ein Doppel-LP-Cover. Wenn sie headbangt, flappt die leere Hülle lustig hin und her. Gemeinsam veranstalten sie im Flur ein Gummi-Twist-Turnier. Die Greco seufzt auf, voller Weltschmerz, läßt sich aber schließlich überreden. Indessen kehrt gerade Willy deVille von seiner täglichen Rauferei mit Sean Penn zurück und droht, alles Tom Waits zu petzen. El Guapo, der Wirt, besänftigt ihn mit einem Lammsbräu und einem Teller Sushi und mischt schon mal das Lucky-Luke-Quartett. Kurz nach der Blechmusik-Cumbia verabschiedet sich Woody Guthrie. Er hat morgen ein Spiel, Wacker München gegen die Skatallites, vorher will er seinen Schnurrbart aufzwirbeln. Die hübschen Be-Good-Tanyas versprechen, ihn anzufeuern, zechen aber sicher wieder bis zu den Weißwürsten. Jaja, und morgen können sie sich dann an nichts mehr erinnern. Zum Glück schneidet Alan Lomax alles mit und bringt¹s als Platte raus. Bei Gutfeeling in München oder gleich als Hanuta-Beilage. Richard Oehmann G.Rag y los Hermanos Patchekos: »Cadeau Bizarre« (Indigo/Gutfeeling) Junge Welt, Feuilleton, 18.6.2003
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