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Berner Zeitung: G.Rag y los Hermanos Patchekos - Cadeau Bizarre

GEHÖRT

Bayrisches Dickicht

12 Musiker aus München in einem weltumspannenden Bezugssystem aus traditionellen Volksgut und eklektizistischem Patchwork, aus festlichem Überschwang und Introspektive ­ das sind G.Rag y Los Hermanos Patchekos. Auf «Cadeau Bizarre» zeigen einige Coverversionen ihre Offenheit in der Vielfalt des Klanguniversums. Mit Gitarre und zweistimmigen Gesang intonieren die Hermanos Woody Guthrie; für eine Komposition von Dizzy Gillespie kommen dann Bläser, Kontrabass und Marimba hinzu. Bei ihren Konzerten spielen sie ein Stück von Django Reinhardt und gleich danach eins von NoMeans- No. Swingen durch ein karibisches Traditional und fetzen ein bayrisches Gstanzl. Und wenn auf CD nun noch Hank Williams «Rambling Man» in schwüler Latin-Instrumentierung erklingt ­ geht da nicht die offensichtlich angestrebte Authentizität im Dickicht der Referenzen verloren?
Nein, und am besten beweisen das G.Rags eigene Stücke. Über drei Alben ist die bayrische (Big) Band nun gewachsen. Der Umgang mit internationalen Anleihen gestaltet sich humorvoll, ganz wie das eigenwillige Idiom des Sängers: «N¹est pas, said the cabdriver on the hill ­ una niña whistles La Paloma». Die kraftvolle Verarbeitung bayrischer Blasmusik holt die Hermanos wieder auf Heimatboden zurück. Schliesslich kommt der Bläsersatz von der «Eichberg Musi» aus dem Münchner Hinterland. Und wenn dessen Melodien uns beim allmählichen Ausklingen der Platte zu Tränen rühren, weiß jeder, warum der Trompeter gemeinhin «Die Sau» genannt wird...

Oliver Ilan Schulz

CD: G.Rag y Los Hermanos Patchekos, «Cadeau Bizarre», Gutfeeling Records/Namskeio.

Berner Zeitung, Mittwoch, 18. Juni 2003