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Landlergschwister LaBrassBanda
Dass das jetzt unbedingt im schlimmsten Klischeeherd Süddeutschlands passieren muß, passt recht gut. Da präsentieren doch die Landlergschwister ihre neue CD ausgerechnet im Hofbräuhaus. Dessen Besitzer zeigt neuerdings Unlust auf Stimmungsmusi wie "Country Roads" oder "I wui ham nach Fürstenföd" und lässt im Turnus nunmehr wechselnde und durchaus gute Musikanten zu Gehör kommen. Und am 15. Juni wird's richtig laut im Biergarten. Denn die Landlergschwister sind nicht nur ein Rudel laut trötender Herrschaften, sie haben auch noch die verstärkte Gitarre und das Megafon vom Andi Staebler dabei, der sich G.Rag nennt, vom Punk kommt, Country mag und domestiziertes Münchnerisch spricht.
Die bayerische Volksmusik erlebt gerade eine weitere Phase der Rückeroberung. Vom ewigen Lobhudeln des schönen Daheims, und überhaupts vom Betonieren, Schönlügen und Blädsei. Seit den Siebziger Jahren, als sich die spezielle, oft angenehm anarchistiche Form des bayerischen Hippies entwickelte, entsteht immer wieder Gegenläufiges zum Stadl-Musikantentum. Garstige, alberne oder dreckige Texte wurden ausgegraben, vielfach wurde Volksmusik mit Rock gekreuzt. Meistens aber mit schlechtem Rock, und vieles versendete sich im Kabarett. Seit jeher tun sich dabei - mit schwankendem Niveau - störrische Eigenbrötler hervor: Willy Michl, Hans Söllner, Haindling, Ringsgwandl, überwiegend Typen, mit denen man nicht unbedingt einen Haushalt teilen möchte. Doch weil die Soziopathen-Verehrung in Bayern Tradition hat, finden solche Sänger auch immer wieder den Weg zum Herzen des Volkes.
Die neuere untergründige Volksmusik wartet allerdings nicht mit solchen Gallionsfiguren auf. Es bilden sich vielmehr sympathische Horden, die Trotz und Lebensfreude wahlweise in Landwirtshäusern oder Grosstadt-Clubs zum Ausdruck bringen. War die Verbindung aus Punk, Rock oder Blues einst oft ziemlich plakativ, geben jüngere Musikanten, die eben rein zufällig in der Blaskapelle oder im Punkkeller aufgezogen wurden, einfach instinktiv ihrem Hang zu Schönem nach. Es muss nicht alles dauernd ironisiert werden und ein Crossover zu Serbischem, Country oder Sonstwas ist keine große Sache. "Ma scheisst si doch eh den ganzen Tag viel z'viel, dass ma's falsch macha kannt." heißt es auf "habediehre". Und so schmettert die Chiemgauer Blaseband LaBrassBanda auf ihrem reizenden Debüt alle Bedenken einfach nieder. Balkanpop, Gstanzlfunk und Landlerska, dazu ein paar schnelle bairische Verse. Ein Schweinsgalopp durch die Welt. Man ist ja für vieles offen: "Bin a Handwerksgsell, a guater, mog die Braven und die Luader." Des Tempo ist überwiegend hoch, und bei den getragenen Stücken kommt man um Goisernschen Ethnokitsch noch drumrum. Die Texte im unverdrossenen Dialekt vermeiden die grosse Botschaft, beschreiben private Stimmungen, im besten Fall in aller Kürze: "Natalie, i scheiss auf di und dei Partnertherapie". Und wer nix versteht, kann das alles ja als Balkansprache oder jamaikanisches Englisch rausfiltern. Ihren Ruf als mobile Eingreiftruppe beweist die Combo ab dem 9.Juni. Da brechen die Burschen auf mit 5 Mopeds und einem Bulldog zu einer EM-Tour nach Österreich und werden dort überfallsartig auf die Dörfer eintrompeteten.
Die Landlergschwister indessen gehören dem Münchener Hause Gutfeeling an, einem Label, dessen Stammband "G.Rag y los Hermanos Patchekos" noch weit mehr Stile durcheinanderwurschtlt als die etwas perfektionistischeren Kollegen aus dem Chiemgau. Aufzuzählen, was bei Gutfeeling bisher alles richtig gemacht wurde, würde den Rahmen sprengen. Zu loben sind u.a. bezaubernde Cover, ein Serien-Soundtrack, guter Espresso und ein Musikantenstammtisch im Münchner "Substanz". Die Landlergschwister eröffnen nun ihre erste CD mit unverbrämter Tanzlmusik, damit da gleich mal keine falschen Vorstellungen aufkommen. Hier geht's nicht um irgendeine Antäuschung von Bajuwarität, sondern um kreuzfidele Spiellaune. Um Polka, Zwiefache und Landler. Zwischendrin ein schwermütiger Walzer, allerdings von Hank Williams, oder der "Trauermarsch vom Gärtner". Den kann man ja vielleicht auf den Gutfeelingnahen Gärtnerplatz beziehen, wo man vor zehn Jahren noch hat hervorragend lümmeln können und jetzt die Modeschicksen und Immobilienkäufer vor der Kaffeekompanie an Pappbechern saugen. Genau solchen Blödbayern sollte man die Landlergschwister in dröhnender Lautstärke um die Ohren hauen, all den ranzigen Tümlern und Lüftlmalern, den Dorfrandverschandlern und Innenstadtverschleimern, auf dass sie sich wieder verkriechen in ihren Segelclubs, Trachtendissen, Decohöllenweissbierstüberln und Landhauspuffs. Am christsozialen Dorfdeppenschischi rächt man sich nicht mit gerecktem Zeigefinger, sondern einfach mit verschärfter Schmissigkeit. ätschibätschi.
G.Rag & Die Landlergschwister "Landlergschwister" Gutfeeling Records LaBrassBanda "habediehre" Trikont/Indigo Richard Oehmann
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