Fullerton

Es wird Zeit der Wüste den Rücken zu kehren.

Dos Hermanos hatten einen Tag frei in Phoenix. Familie Hufman hat zum BBQ geladen, die zwei Hermanns steuern bayerischen Krautsalat bei, nachdem sie bei der Suche nach Kümmel beinahe im Supermarkt verlorengegangen wären. Alle sind nochmal gekommen um Pläne zu schmieden, zu musizieren und eine Träne des Abschieds zu verdrücken.

Der BlackRider weint seinem Bett nach, in dem er auch nachmitags manchmal noch die ein oder andere Runde gedreht hat.

Unser echtes Reisemobil, ein wahnsinnig amerikanische Jeep steht gepackt vor dem Haus der Familie Hufman und wiederum wissen wir nicht, wann wir unsere Freunde wiedersehen werden. Jays ‘the chance not to see us again seems to be very slim’ beruhigt uns und wir begeben uns auf eine weitere Wüstendurchquerung.

Mitten in den trockenen Weiten Arizonas überrascht uns ein Regenguß. Innerhalb von wenigen Minuten blüht die Landschaft links und rechts der Straße in allen Farben, Hasen tanzen mit Eichhörnchen um die schnell wachsenden Stengel der Orchideen Ringelreihen, die Wüstenlaus hält am Straßenrand den Daumen hoch und ein paar Bären reiten auf Elefanten vorbei…..
…..white line fever – Autobahnrausch.

Man hat uns schon viel erzählt vom Continental Room in Fullerton. An der Tür wirbt ein Metallschild ‘Historical Site – oldest drinking establishment in Fullerton – 1925). So ähnlich sieht es auch aus, zwischen Ledersitzecken und einer nichtendenwollenden Bar wabert warme Dunkelheit. Am Ende des Raumes eine Bühne mit Vorhang. Wahnsinn!

Wir nehmen ein Abendessen im nahegelegenen Italiener ‘Cucina Romana’. Der Kellner stellt sich namentlich vor und bringt in ganzen Würsten und Käse ertränke Pasta und eine nudeldicke Lasagne. Wir schaffen nicht mal die Hälfte und freuen uns über unsere neuen Halloweenverkleidungen als Knoblauchzehen mit dicken Bäuchen.

Eine halbe Stunde Spielzeit steht uns zu und wir rasen mit atemberaubender Geschwindigkeit durch ein ohrenbetäubendes Set. Wir haben guten Sound dank Troy, dem Tontechniker, der uns sogar mit einem Overheadmikro bestückt und so für einen guten Ton sorgt. Die ganze Bar steht Kopf, wir sind einfach ‘fucking amazing’. Alle drehen total durch und kaufen unsere Platten im Dreierpack. ‘Die beste Show seit mindestens zwei Jahren’ beschert uns unlimited Drinks und während Norma, die uns vor zwei Jahren auf unserer Tournee soviel unterstützt hat, mit G.Rag anstößt, läßt sich der BlackRider hemmungslos mit Wasser zulaufen.

Nach uns spielen noch Grandma, der Wolf, der Jäger und Little Red Riding Hood aka The Mumlers mit knieerweichenden vocalen Harmonien durchsetzten retro slow Punk. Auch sie spielen sehr kurz, weil noch eine Band ansteht, die allerdings unterdessen einfach wieder verschwindet.
Man will uns remixen und zu großen Festivals einladen – ‘I, and this is not just to say, I REALLY love you Guys’. Jetz hammas aber wirklich bald geschafft.

25. November 2011 - Dos Hermanos, Tourtagebücher

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